Hallo liebe Zec+ Community und Sympathisanten. Heute gibt es einen weiteren Teil aus dem Leben unseres Athleten Jury „Wild Boy“ Kruber. Hier erzählt er, wie er zu seinem Spitznamen Wild Boy kam und ie dunkel seine Vergangenheit eigentlich ist. Wenn man Jury kennt, kann man das kaum glauben. Sehr persönlich. Viel Spaß beim Lesen!

 

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Ich bekomme ab und zu die Frage gestellt woher eigentlich mein Spitzname „Wild Boy“ kommt. Oder, wer verantwortlich war das ich zum Bodybuilding kam bzw. WIE.

Um diese Frage zu beantworten, muss ich sehr weit hinten anfangen und sogar einzelne, unschöne Erinnerungen wieder hervorholen. Um genau zu sein, zurück zum 14. Lebensjahr.

Ich hatte eine traurige, nicht gerade schöne Kindheit und Jugend. Eine „Vorzeige-Familie“, wie man aus dem TV gewohnt ist, gab es nicht bei uns. Mein Vater war ein Alkoholiker und somit auch nie für uns Kinder da, nur einmal, so erinnere ich mich waren wir im Holliday Park und das war es auch schon mit Familienausflügen. Verschuldet wegen seines Führerscheinverlustes (ganze 4x) musste ich schon mit 14 Jahren einen Nebenjob suchen und wie ein Erwachsener funktionieren. Vom Austragen von Zeitungen bis hin zu Einkaufswagen bei Ikea einsammeln – ich habe alles gemacht um etwas Geld in die Familienkasse rein zu bekommen. Mein älterer Bruder hatte ganz andere Sorgen um die er sich kümmern musst, etwa kriminelle Aktivitäten, bis mit 17 Jahren bei ihm die Handschellen klickten.

 

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Ich war nicht nur alleine auf mich gestellt sondern musste auch für meine Mutter und meine kleine Schwester da sein. Dazu kam dann endlich die Trennung meiner Eltern und so baute sich auch mein Frust auf, den ich nicht mehr kontrollieren konnte und begann in die Fußstapfen meines Bruders zu treten. Die Straße war auf einmal mein zweites Zuhause und nach meiner Arbeit ließ ich dem wilden Jungen freien Lauf. Schlägereien und Erpressungen begleiteten mein Leben und ich hatte mich nicht mehr im Griff. Ja, sogar vor 4 Polizisten machte ich kein Halt!

Mein Lehrer sagte mal auf einer Schulfeier „wo es Ärger gibt da ist unser wilder Jury nicht weit!“

So fanden meine Wochenenden im Gerichtssaal statt, ein Gericht nach dem anderen, eine Sozialstunde nach der anderen. Ich fing die Gerichtseinladungen schon am Briefkasten ab um meine Mutter nicht noch unglücklicher zu machen. Zuhause ein braver Junge, draußen ein wilder Junge! So war der „Wild Boy“ geboren! Ich verbrach die Tage so, bis eines Tages  (mit 18 Jahren um genau zu sein) ein Gerichtsverfahren mich fast für zweieinhalb Jahre hinter Gitter gebracht hat. Ich war also meinen Bruder näher gekommen als mir lieb war!

Von diesen Moment an änderte ich mein Leben und ich suchte mir eine andere Beschäftigung die mich an meine Grenzen bringen konnte. Eine, die mich total auspowert, sodass ich nicht mal auf dumme Gedanken kommen konnte. Eines Tages traf ich Jurij, ein Mutant, 125kg schwer verteilt auf 173 cm. Er brachte mir sozusagen die ersten Schritte bei, mein erster Muskelkater, mein erster Protein-Shake, meine ersten Haferflocken in Wasser, die ersten rohe Eier. Boa war das eklig!

 

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Auf der Bühne fühlt sich Jury wohl!

 

Im Studio sah ich das erste Mal auch die Flex und die ganzen Athleten da drin und ab diesem Zeitpunkt wollte ich mehr! Ich wollte kein normaler Disco-Pumper sein, ich wollte auf die Bühne!!! Beine trainieren, auch mal brechen müssen wegen eines Trainings oder meine Schmerzgrenze zu prüfen und überschreiten.

Eines Tages sah ich die Werbung, dass in Mannheim ein Studio aufmacht aber kein gewöhnliches sondern eins das meinen Wunsch nach der Bühne erfüllen konnte. Gaststar war der legendäre Markus Rühl! Ich ging hin und so nahm eins nach dem anderen seinen Lauf…..

Ich war jeden Tag im Gym, sogar 3-5 Stunden am Tag weil es mich komplett erfüllte und ich mein Zuhause ENDLICH gefunden habe! Bodybuilder unter sich.

 

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Heute ist für Jury seine Familie am wichtigsten!

 

Somit konnte ich meinen wilden Jury in Schach halten. Ab und zu merke ich, dass das Feuer in mir noch nicht ganz erloschen ist, aber solange ich das tun kann was ich am meisten liebe, nämlich pumpen, bleibt das Feuer nur ein Funken.

Es ist/war schwer für mich diesen Artikel zu schreiben, weil ich familiäre Dinge gern außen vor lassen möchte und vieles nicht erwähnt habe, aber nur so ist dieser „Wild Boy“ Zustande gekommen. Nach außen zu meinen Mitmenschen möchte ich ein fröhlicher Geselle sein aber durch die Probleme in meiner Familie gelingt mir es nicht immer, nur meine Liebe zu meiner Frau, meiner süßen Tochter und zum Bodybuilding-Lifestyle lassen meine Sorgen ein wenig vergessen!

 

Dieser eine Augenblick, wo ich auf der Bühne stehe, da lasse ich diesen Wild Boy leben……..

 

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